Warum Frauen nicht zyklisch arbeiten
Diese Frage stell ich mir immer wieder. Ist es doch unsere Natur. Zyklisch zu sein. Jede Frau kennt das, die Zeit vor dem Einsetzen der Periode. Dieses Gefühl von Lass-mich-in-Ruhe und das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug. Und trotz alledem, machen wir weiter. Das System läuft linear. Das heißt es geht immer weiter, ein Unternehmen bleibt nicht stehen, sondern soll weiter funktionieren, damit der Ablauf gewährleistet ist. In welchen Bereich auch immer, ob nun Kindergarten, Krankenhaus, Briefzustellungen oder Verwaltung im Büro, die Dinge oder der Arbeitsfluss soll weiter laufen.
Daraus geht bereits hervor, dass ein System in Struktur und damit sehr gradlinig verläuft. Schließlich kann ein Krankenhaus nicht einfach fünf oder zehn Tage im Monat schließen. Genauso wenig können Brief oder gar Pakete eine Woche auf ihre Zustellung warten. Im Prinzip würde das schon gehen, nur kollabieren dann meist Systeme und es braucht Zeit und viel Aufwand um solche Rückstände aufzuarbeiten. Was tendenziell auch was Gutes sein kann, weil dann neue Strukturen und Prozesse entstehen können, nur grundlegend bleiben wir hier erst einmal dabei, dass es gesund und bestrebenswert ist den Motor am laufen zu halten.
Frauen können leisten, das tun wir schließlich seit Jahren und Generationen. Und dennoch ist jetzt die Zeit der Rückkehr in den eigenen Fluß oder Rhythmus gekommen. Viele Frauen spüren bereits ihre Grenzen, der Körper meldet sich oft deutlich.
Aber warum ist es ein Problem, zyklisch zu sein in einem linearen System aus Wirtschaft und Versorgung?
Der Zyklus der Frau
Eine Frau lebt in ihrem ganz eigenen Zyklus. Das heißt es gibt verschiedene Phasen, die eine Frau immer wieder durch lebt. Mal mit viel Power, vielen Ideen und voller Tatendrang, egal ob zu Hause oder im Beruf. Dann gibt es Phasen die Ruhe erfordern und die oft Einschränkungen im mentalen Bereich mit sich ziehen. Es sind wie innere Jahreszeiten. Im Sommer ist alles möglich, pure Energie, alles scheint leicht. Der Herbst, lädt zur Vorbereitung auf die bevorstehende Zeit des inneres Rückzugs ein. Der Winter, wenn die Periode einsetzt. Und der Frühling ist wie dieses leise wieder aus einer Höhle kriechen und wieder langsam in Kontakt mit der Außenwelt kommen.
Das Bild der Jahreszeiten als Zyklus einer Frau passt hier sehr gut und macht nochmal deutlich, wie der Körper der Frau arbeitet. Im inneren Sommer stehen wir voller Energie im Leben, fast unaufhaltsam und im Herbst geht unserer Energie bereits nach innen, wie in der Natur wo auch Bäume ihre Energie in den Wurzeln sammeln für den bevorstehenden Winter.
Mein zyklisches Erleben
Wenn ich meine Periode bekommen, geht bei mir gar nichts. Denken ist schier unmöglich und eigentlich möchte ich mich nur auf der Couch ausruhen und da sein. Wärme und Geborgenheit danach ist dann das wo nach ich mich sehne und auch eine innere Trauer aus zuleben. Einfach schwach und verletzlich sein. Überrollt von Hormonen herum liegen und nichts tun. Mich nur um mich kümmern.
Während es im Frühling ganz anders ist. Meine Tage gehen zu Ende und ich habe wieder Lust auf Kontakte. Auch mein mentales Sein meldet sich zurück mit Tausend Ideen. Und doch fühlt es sich eher wie Vorbereitung an. Keine großen Pläne, sondern eher kleine Schritte machen. Fast wie im Garten, schauen wo kommt welches Beet hin und was will ich überhaupt aussäen. Und vielleicht die ersten Frühsaaten vornehmen.
Im Sommer, rund um mein Eisprung. Bin ich voll im Machen und rumwirbeln. Ich plane, ich manage, ich bin kreativ und arbeite an Projekten. Bin für meinen Sohn da und selbst der Haushalt läuft so nebenbei. Alles ist möglich, gefühlt bin ich unaufhaltsam und voller Energie.
Im Sommer bin ich energiegeladen, mein Körper will sich bewegen, leisten, machen. Ideen sprudeln nicht nur, sondern finden eine Form. Ich habe Lust mich auszudrücken. Möchte Kontakt und Begegnung mit Menschen. Tanzen, Essen, das Leben feiern. Ich könnt stundenlang an Projekten arbeiten, ob nun meine Eigenen oder von der Arbeit. Abends erwischt ich mich häufig wie ich jetzt die eine Sache von der Arbeit erledigen könnte. Alles läuft irgendwie von allein und leicht. Die Ideen die ich im Frühling gesät habe, wachsen. Wie im Garten, wo das Gemüse kurz vor der Ernte steht und Früchte bereits saftig anmuten.
Dann kommt der Herbst. Immer noch mit Energie unterwegs, merk ich langsam wie sich in mir etwas verändert. Dieses Schakka-Schakka-Gefühl, alles ist leicht und nichts ist unmöglich, versiegt langsam. Mein Körper wir langsamer. Mein Kopf noch sehr aktiv. Und dann kommen, sie diese Tage vor den Tagen. Mürrisch und reizbar und irgendwie unzufrieden lauf ich durch den Tag. Klare Meinung? kannste haben. Hat was von Erschöpfung. Ich spare mir an dieser Stelle das Wort angepisst, obwohl es das sehr gut trifft. So fühle ich mich, oft unbemerkt. Bis mir einfällt, ahh ich könnte meine Tage bekommen.
Und der Kreislauf startet von Neuem.
In der Firma
Müde geh in die Firma. Habe Mühe meinen Rechner hochzufahren. Alles scheint schwer und anstrengend. Ich krieg das hin, wie immer. Erstmal Mails checken, dann Kaffee. Nee, erst Kaffee!, dann Mails. So sitze ich vor meinen Bildschirm und bin innerlich leer. Star blicke ich auf das Gerät vor mir und versuche meine Aufgaben zu erfüllen. Aber irgendwie scheint es heute nicht so einfach zu sein eine Mail zu lesen. Zum dritten Mal scheitere ich am Versuch, der Inhalt bleibt nicht hängen. Na gut, dann erst einmal Bio-Pause. Ich gehe zur Toilette und sehe rot. Ahh, meine Tage sind da. Toll. Ohne Hygieneartikel um mich zu versorgen, versuch ich durch den Tag kommen. Meine Herausforderung besteht nun darin alle zwanzig Minuten zur Toilette zu schlendern ohne den Eindruck zu erwecken, ich hätte ein Problem oder versuche mich vor der Arbeit zu drücken. Die Tatsache das ich ein Blutbad verhindern will behalte ich für mich. Während mein Körper schmerzt und ich weiterhin nach außen versuche kompetent zu wirken. Im Gegensatz dazu, bin ich innerlich völlig aufgelöst und will nur meine Ruhe, Couch, Wärmflasche und Chips.
Langsam werde ich wieder wach, ich bin auf meiner Couch erschöpft und kraftlos nach der Arbeit eingeschlafen. Ich sehe was ich alles nicht geschafft habe und wozu ich auch wirklich kein Bock habe. Wäsche waschen, Geschirr abräumen, sowas eben. Die Tür zur Küche steht offen. Ich kann das Elend von der Couch aus sehen. Mit letzter Kraft erhebe ich mich, schließe die Tür von der Küche und beschließe, dass heute meine Couch mein place-to-be ist. Denn morgen brauch ich wieder Kraft für meine Arbeit.
Die Tage vergehen. Wieder sitze vor meinen Arbeitsbildschirm. Mein Kopf scheint ein Neustart zu erleben, denn ich kann wieder klarer denken. Während das Ziehen meines Körpers allmählich nach lässt. Und auch mein Showtalent, nach außen zu strahlen während ich innerlich sterbe, allmählich an Bedeutung verliert. Kurz gesagt, ich bin wieder da. Checke meine Mails mit Leichtigkeit und erfülle meine Aufgaben. Ich laufe wieder rund, wie ein Zahlenrad im Uhrwerk der Firma.
Jetzt bald startet hier eine neue Phase. Operatives Change Management. Das heißt, Prozesse werden beleuchtet mit dem effektiver und profitabler zu werden. Dazu bringe ich paar Ideen rein, die sehr gut angenommen werden. Meine Ausstrahlung wirkt selbstsicher, inspiriend und überzeugend. So das Feedback meines Chefs. Mal gut, dass die Projektphase jetzt startet und nicht als ich noch mit der Verhinderung meines eigenen Blutbades beschäftigt war.
Was wäre passiert, wenn meine Tage und das Operative Change Managment-Projekt zusammen gefallen wäre?
Hätt ich es durch gezogen, weiter voll Showtalent nach außen...?
Oder könnte ich vielleicht sogar offen sagen, dass ich nächste Woche dafür voll zur Verfügung stehe, da ich jetzt eine Phase der inneren Einkehr habe. Vielleicht anders formuliert, aber so in etwa.
Was würde dann passieren? Dreht sich das Rad einfach ohne mich weiter...? Bin ich dann raus?
Was würde passieren, wenn ich mich den Bedürfnissen meines Körpers hingebe? Und geht das überhaupt in unser linearen, festgefahrenen System?
Meine Meinung
JA.
Als ich morgens in der Firma saß, völlig reizüberflutet, mein Körper hart am fordern war, dass er Ruhe möchte, da bin ich einfach nach Hause gefahren. Ich habe meine Arbeitszeit gestoppt und hab alles liegen gelassen. Ganz ehrlich? Welche Wahl haben wir denn? Entweder durch ziehen, den eigenen Körper übergehen. Uns selbst nicht wichtig nehmen. Oder, wir können anfangen wieder auf unseren Körper zu hören und mit ihm im Einklang zu leben. Und ich glaube, dass sich das sehr wohl etablieren lässt. Als ich den Morgen, mein Arbeitsplatz wieder verließ, hatte ich drei Minusstunden gemacht. Ja und? Im Vergleich, zu der Phase wo ich meinen Eisprung habe, kann ich Bäume ausreißen. Effizient und lange wirken. Und ich finde, dann gleicht es sich wieder aus. Es gibt so viele Möglichkeiten.
Wenn wir als Frauen wieder im Zyklus leben und auch danach arbeiten, haben wir mehr Energie und das Leben wird sich ungewohnt leicht anfühlen. Das darf so sein. Ich hab noch nie erlebt, dass wir angefangen haben im Winter, Tomaten zu pflanzen. Oder im Herbst darauf warten, dass endlich die Osterglocken blühen. Was ich damit zeigen will ist, dass es völlig absurd ist gegen die eigene Natur zu leben. Und das es sinnvolle Wege gibt beides, lineares System und Zyklus in Einklang zu bringen.
